Die anhaltende Schließung des Luftraums über Großbritannien und Teilen Nordeuropas nach dem Vulkanausbruch in Island hat zu beispiellosen Beeinträchtigungen geführt. Azad Zangana, Volkswirt für Europa bei Schroders, und Nick Kirrage, Fondsmanager und Analyst für die Luftverkehrsbranche bei Schroders, konstatieren im aktuellen Marktkommentar, dass die Auswirkungen auf die allgemeine Wirtschaft minimal bleiben, wenn der Flugverkehr bald wieder aufgenommen wird. Nachfolgend der Originalkommentar:
Die beiden Experten stellen außerdem fest, dass die Fundamentaldaten für die Luftfahrtbranche unverändert bleiben und Investoren sich bislang nicht im großen Stil von Engagements in diesem Sektor getrennt haben.
Die anhaltende Schließung des Luftraums über Großbritannien und Teilen Nordeuropas nach dem Vulkanausbruch in Island hat zu beispiellosen Beeinträchtigungen geführt. In welchem Maße Industrie und Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen werden, hängt jedoch entscheidend davon ab, wie lange die Störungen anhalten.
Das am vergangenen Donnerstag über weite Teile Europas verhängte Flugverbot gilt bisher auch für die neue Woche, so dass Reisende weiterhin festsitzen und die Aktienmärkte in der gesamten Region Verluste hinnehmen mussten.
Branchen wie die Luftfahrt haben natürlich deutlich unter diesem Ereignis gelitten. Doch auch Versicherer, Reiseveranstalter und die Ölindustrie bekamen die Sorge der Anleger zu spüren. Vom gesamtwirtschaftlichen Standpunkt indessen wird lediglich Geld aus einem Bereich der europäischen Wirtschaft in andere Sektoren verschoben, weil die Reisenden nach alternativen Transportmöglichkeiten suchen oder länger in ihren Hotels verweilen.
Dass die Luftfahrtbranche kurzfristig deutlich unter diesem Ereignis leidet, steht außer Frage. Die Auswirkungen auf die breitere Wirtschaft jedoch bleiben minimal, wenn der Flugverkehr bald wieder aufgenommen wird. In Großbritannien zum Beispiel macht die Luftfahrtbranche lediglich 0,53 Prozent des BIP aus. Rechnerisch müsste der Sektor noch 10-16 Tage ausfallen, damit das britische Wirtschaftswachstum um 0,1 Prozent sinkt. Aus diesem Grund sollten die möglichen Kosten der Flugausfälle voraussichtlich keine wesentlichen Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft haben.
Luftfahrtbranche
Auch wenn die Aktienkurse einiger britischer und europäischer Fluglinien seit Donnerstag Rückschläge verbuchten, haben sich die Anleger vor allem dank der weiterhin unveränderten Unternehmensfundamentaldaten nicht in großem Stil von ihren Sektorengagements getrennt. Infolgedessen machen wir uns keine besonderen Sorgen über die langfristigen Auswirkungen der Unterbrechungen auf den Sektor. Kurzfristig allerdings verlieren die Fluglinien durch den Einnahmeausfall durch fehlende Passagiere und Cargo Millionen, und möglicherweise kommt eine Flut von Entschädigungsforderungen auf sie zu.
Für diesen Fall haben die Regierungen Großbritanniens und der EU mögliche Finanzhilfen für die Branche in Aussicht gestellt, wie sie auch infolge der Schließung des US-Luftraums nach den Angriffen vom 11. September gewährt wurden. Bis dato gibt bei den Fluggesellschaften keine Gewinner oder Verlierer, weil alle Airlines der Region mehr oder weniger in derselben Lage sind. Für die Reisenden sind die Unterbrechungen natürlich ausgesprochen problematisch, doch sollten sie nach unserem Dafürhalten kaum die Erholung der Luftfahrtbranche gefährden.
Quelle: FONDS professionell ONLINE